Monday, 1. december 2008 1 01 /12 /Dez. /2008 19:31

Ich hatte von der geplanten Errichtung des Einkaufszentrums natürlich auch schon gehört. Unsere mittelgroße Heimatstadt setzte viele Hoffnungen in diese neue, große „Shoppingmeile“. Man müsse als Einkaufsstadt wieder attraktiver werden, hieß es vielerorts.

Allerdings gab es auch etliche Gegner, die besonders die geplante Architektur des Gebäudes als Katastrophe bezeichneten. Ich war auch kein wirklicher Befürworter dieses Bauvorhabens, da ich mir jetzt schon denken konnte, dass die „üblichen Verdächtigen“, also der in jeder Stadt zu findende Einheitsbrei aus Mode- und Drogerieketten in die Ladenlokale Einzug halten würde.

Dass jetzt noch Christians Stammkneipe dafür dem Erdboden gleich gemacht werden sollte, konnte ich nicht gutheißen. Auf jeden Fall wollte ich meinen Freund bei seinem Plan unterstützen.

Allerdings hatte Christian nur noch stumm auf den Fernseher gestarrt und Chips in sich reingefuttert. Kein Wort über seine Maßnahme gegen den Abriss, ja generell kein Wort war über seine Lippen gekommen.

Da es schon spät war, hatte ich „Tschüss, ich geh jetzt. Bis die Tage“ gesagt und Christian alleine weitergrübeln lassen.

Im schummerigen Licht der Straßenlaterne schloss ich mein Mofa auf. Witzigerweise war die Hauswand, an der mein Fahrzeug lehnte, mit einem weiteren Spruch verziert worden – mit einer Liebeserklärung:

Ich liebe dich! Dein G.G.“ hatte jemand in einem großen Bogen über mein Moped geschrieben.

Ich musste schmunzeln. Konnte es tatsächlich sein, dass der Schlagersänger G.G. Anderson auf diese Weise seine Liebe zum Ausdruck brachte. Galten diese Worte vielleicht sogar Christian?

Wie schwachsinnig war es von mir, so etwas zu denken. Keine zwei Minuten später fiel es mir, während ich an einer roten Ampel wartete (rot ist ja schließlich die Farbe der Liebe), wie Schuppen von den Augen:

G.G. stand für Glatzen-Günni.

Mir lief es eiskalt den Rücken runter. War mir mein hartnäckiger Verehrer von der Rockerparty tatsächlich gefolgt?

Verfolgte er mich immer noch? Ich blickte mich um. Die Straße war leer. Nur das Knattern meiner Mofa war zu hören.

Da! Schritte!

Mmmh. Frauenabsätze.

Obwohl? Vielleicht trug Glatzen-Günni Damenpumps – zur Tarnung.

Die Ampel sprang auf Grün und ich gab Gas.

von Günther-Maria Müller-Schmidt-Meyer
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